9. Herzensrat meines kostbaren Lehrers Garchen Rinpoche

 

Es gibt für mich auf der Welt nur zwei Arten von Lebewesen: 

 

Meine Wohltäter für Liebe und meine Wohltäter für Geduld.

 

Die Mehrheit sind meine Wohltäter der Liebe, sie sind sehr gut und helfen mir. Andere versuche mir zu Schaden und Hindernisse zu bereiten, das sind meine Wohltäter für Geduld.

 

Die Güte dieser Wohltäter ist gleich und so ist auch meine Liebe für sie gleich. Vielleicht sind meine Wohltäter für Geduld für mich noch gütiger, da sie es mir ermöglichen, die Vollkommenheit der Geduld zu üben. 

 

Ich bin auch all jenen sehr dankbar, die mich nicht mögen und mich dazu bewegen, meinen Zorn zu zähmen.

 

Gleichzeitig habe ich großes Mitgefühl für ihr Leiden, da sie mir erlauben, Geduld zu üben und meine Wut und Eifersucht langsam zu verringern, sind sie meine Lehrer.

So liegt es am Ende in Ihrer Güte, wenn ich Erleuchtung erlange und all mein Zorn und meine Eifersucht nicht mehr vorhanden sind. Aus diesem Grund liebe ich sie sehr. 

 

- Bild und Text mit freundlicher Genehmigung der Garchen Stiftung - 

Zum Vollmond im September

 

Am Vollmond im September wird in Sri Lanka Mahāpajāpatī Gotamī gedacht, der Pflegemutter des Buddha. Da die Gründung des Bhikkhuni-Ordens mit ihrer Entschlossenheit und Zähigkeit verbunden ist, tun insbesondere alle „Töchter des Buddha“ gut daran, sich ihrer zu erinnern und in ihr ein Vorbild zu sehen. 

 

Nach der Schilderung im Pāli-Kanon wurde ihre Bitte, als Frau ebenfalls wie ein Bhikkhu dem Weg des Buddha folgen zu können, zunächst abgewiesen. Doch Mahāpajāpatī und eine große Schar weiterer „Frauen aus gutem Hause“ scheuten sich  nicht, die lange Wegstrecke – 357 Meilen, mehr als 500 km - von Kapilavatthu nach Vesāli zu Fuß zurückzulegen, um den Buddha von der Ernsthaftigkeit ihres Anliegens zu überzeugen. Nach der Fürsprache durch den ehrwürdigen Ananda, der beim Anblick der Frauen von Mitgefühl bewegt war, willigte der Buddha schließlich ein, und Mahāpajāpatī wurde die erste Bhikkhuni, der danach viele Frauen folgten. 

 

Diese Geschichte der Gründung des Bhikkhuni-Ordens wurde in den vergangenen Jahren in Verbindung mit der Wiederbelebung des Bhikkhuni-Ordens in der tibetischen wie in der Theravada Tradition vielfach thematisiert (Konferenz in Hamburg im Jahr 2007). Um die erste Bhikkhuni zu werden, akzeptierte Mahāpajāpatī Gotamī acht Bedingungen, die sog. garudhammas, die sie zunächst „wie eine Blumengirlande“ annahm. Doch offenbar spürte auch sie recht bald die Dornen, die darin eingebunden waren. (siehe Vinaya, Culavagga Kapitel X). Im damaligen Indien konnte Gotamī in dieser Hinsicht nicht mehr erreichen. Auch der Buddha konnte sich nicht einfach über herrschende gesellschaftliche Verhältnisse hinwegsetzen. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass es eine Zeit war, in der Frauen in der Geschichtsschreibung kaum eine Rolle spielten, und es würdigen, dass wir durch die Gründung des Bhikkhuni-Ordens einen Schatz an sehr frühen Zeugnissen von Frauen und über Frauen haben, damit auch weibliche Vorbilder (vor allem in den Therigathas, den Versen erleuchteter Nonnen). 

 

Schließlich ging es Mahāpajāpatī Gotamī und ihren Nachfolgerinnen um mehr als die Emanzipation aus ihrer eingeschränkten Rolle in der Gesellschaft, es ging um eine viel weitreichendere Emanzipation. Bevor sie sich in die Einsamkeit zurückzog, um sich der Meditation zu widmen, fragte Gotamī den Buddha nach Kriterien, woran sie erkennen könne, ob sie seiner Lehre, dem Dharma, folge oder nicht. Und der Buddha gab ihr eine Belehrung, die auch heute noch gerne von Bhikkhunis rezitiert wird (Anguttara Nikaya = Numerische Sammlung VIII.53). Neben weiteren Merkmalen, die der Buddha nannte, ist der Dharma für diejenigen, die frei sein wollen von Hörigkeit, nicht für Menschen, die sich gerne beherrschen lassen. Die Rede ist hier in diesem Zusammenhang von der „inneren Knechtschaft“, der Beherrschung durch Leidenschaft, Begierde, Stolz und weiteren geistigen Befleckungen. 

 

Mahāpajāpatī wurde mit 120 Jahren recht alt. Auch das Ende ihres Lebens war sehr bemerkenswert. Sie hatte das Ziel der Befreiung von allen Fesseln verwirklicht, die sie an Saṃsāra, den Kreislauf von Geburt und Tod, gebunden hatten. Dem Buddha sagte sie bei ihrem Abschied, dass das, was er ihr gegeben hatte, der Dharma, ihren Durst für immer gelöscht hat. Ihre Milch, die sie ihm nach dem frühen Tod seiner leiblichen Mutter Mahāmāyā gegeben hatte, konnte Hunger und Durst des damaligen Säuglings jeweils nur für kurze Zeit stillen. Zum letzten Mal legte sie nun die Bürde eines alten Körpers ab. Die Bhikkhunis, die sie offenbar liebten und verehrten, weinten. Gotamī tröstete sie damit, dass auch ihnen der Weg zum Todlosen offenstehe...

 

       

An Vollmond und Neumond Tagen gibt es die Möglichkeit, über "Jitsi Meet" um 19 Uhr mit dem Kloster in Verbindung zu treten zum Chanting und zur Meditation (an diesen Abenden 45 min). 
 
Auf Nachfrage werden die entsprechenden Termine und Links zugesandt. 

 

 

Nächste Termine: 

 

Sonntag, den 08.08.2021 - Neumond

Sonntag, den 22.08.2021 - Vollmond

Montag, den 06.09.2021 - Neumond

Dienstag, den 21.09.2021 - Vollmond

Mittwoch, den 06.10.2021 - Neumond

Mittwoch, den 20.10.2021 - Vollmond

Donnerstag, den 04.11.2021 - Neumond

Freitag, den 19.11.2021 - Vollmond

Samstag, den 4.12.2021 - Neumond

Sonntag, den 19.12.2021 - Vollmond

 

 

 

Das Kloster Shide

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