9. Herzensrat meines kostbaren Lehrers Garchen Rinpoche

 

Es gibt für mich auf der Welt nur zwei Arten von Lebewesen: 

 

Meine Wohltäter für Liebe und meine Wohltäter für Geduld.

 

Die Mehrheit sind meine Wohltäter der Liebe, sie sind sehr gut und helfen mir. Andere versuche mir zu Schaden und Hindernisse zu bereiten, das sind meine Wohltäter für Geduld.

 

Die Güte dieser Wohltäter ist gleich und so ist auch meine Liebe für sie gleich. Vielleicht sind meine Wohltäter für Geduld für mich noch gütiger, da sie es mir ermöglichen, die Vollkommenheit der Geduld zu üben. 

 

Ich bin auch all jenen sehr dankbar, die mich nicht mögen und mich dazu bewegen, meinen Zorn zu zähmen.

 

Gleichzeitig habe ich großes Mitgefühl für ihr Leiden, da sie mir erlauben, Geduld zu üben und meine Wut und Eifersucht langsam zu verringern, sind sie meine Lehrer.

So liegt es am Ende in Ihrer Güte, wenn ich Erleuchtung erlange und all mein Zorn und meine Eifersucht nicht mehr vorhanden sind. Aus diesem Grund liebe ich sie sehr. 

 

- Bild und Text mit freundlicher Genehmigung der Garchen Stiftung - 

Zum Vollmond im Dezember

 

Die letzten zwei Jahre haben uns viel Unerwartetes beschert, uns mit neuen Situationen konfrontiert. Ein unsichtbares Virus hat sehr vielen Menschen weltweit das Leben geraubt, noch mehr Menschen mit mehr oder weniger schweren Krankheitssymptomen gequält, unsere Mobilität, den Verkehr, die Wirtschaft, allgemein den Umgang miteinander, Kontakte und damit viele für uns selbstverständlich gewordene Möglichkeiten eingeschränkt. Mit unserer „Freiheit“ war es offensichtlich nicht weit her. Doch WIE wir mit diesen Einschränkungen umgegangen sind und umgehen, lag und liegt in unserer Entscheidung. Wie wir auf das vergangene Jahr zurückblicken,  hängt wiederum von unserer Einstellung ab: Wir können das Bedauerliche in den Vordergrund rücken oder das, wofür wir dankbar sein können. Vermutlich finden wir beides, und Gelegenheiten Dharma zu praktizieren gab und gibt es in jedem Fall. 

 

Und das Gleiche gilt für das kommende Jahr 2022: Niemand kann uns zwingen, im Dunkel des Tunnels sitzen zu bleiben, noch Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Es liegt an uns, WIE wir dem neuen Jahr begegnen, ob mit Angst und Sorgen oder mit Zuversicht. Gerne machen wir äußere Umstände oder andere Menschen für unsere Misere verantwortlich, das Glück dagegen schreiben wir bereitwillig uns selbst zu.  

 

Die (innere) Freiheit, die uns der Buddha für unser Leben aufzeigt, ist beträchtlich, und die Kehrseite – die Verantwortung, die in dieser Freiheit liegt – mag uns schrecken und als Überforderung erscheinen. Vor der Möglichkeit, uns Ziele zu setzen, uns auf Ziele oder Werte festzulegen, scheuen manche zurück, birgt dies doch die Gefahr, Fehler zu machen, die Gefahr des Scheiterns. Es ist einfacher und bequemer, Informationen (in Form von Videos, Podcasts, Bildern, Gedrucktem, Meinungen anderer in den Social Media usw.) aufzunehmen als selbst Entscheidungen zu fällen. Doch mit dem Konsum von Informationen treffen wir ebenfalls eine Wahl, sofern wir sie (noch) nicht ganz den modernen Medien, der Technik überlassen und damit der Manipulation und Kontrolle über uns Vorschub leisten.

 

Die gegenwärtige Zeit fordert die Besinnung auf Werte und Ziele heraus, denen wir folgen sollten, wenn wir Glück anstreben und nicht noch mehr Leid wollen. Vieles ist im Aufbruch, und wenn wir es zulassen, zeigt uns das Corona-Virus deutlich – vor allem den Älteren unter uns – die reale  Gefährdung für unser Leib und Leben. Wir erfahren die Grenzen der/unserer materiellen Natur, die nicht nur wunderbar romantisch ist und Heilkräfte birgt, und erkennen, dass die Zuflucht und Zukunft im Geistigen liegt – im „Herzen“ könnten wir auch sagen, sofern wir es im übertragenen Sinn verstehen. Das Heil liegt nicht draußen auf der Wiese, schon gar nicht draußen auf der Straße oder auf Flughäfen, wir müssen es in uns selbst suchen. Das bedeutet, es ist uns auch – oder gerade -  während des Lockdowns zugänglich. Und was wichtig ist, um ihm näher zu kommen, hat der Buddha uns vielfach gelehrt: Wir verschließen uns nicht dem Leid in uns und um uns herum, wünschen uns und allen Wesen Wohl, Freisein von Schmerz und Kummer, freuen uns mit an den Freuden und Erfolgen anderer (die es trotz allem immer noch gibt...) und versuchen, bei alledem  unser inneres Gleichgewicht zu wahren.  

 

Auf diese Weise kann es ein friedliches 2022 geben.    

 

 

 

       

An Vollmond und Neumond Tagen gibt es die Möglichkeit, über "Jitsi Meet" um 19 Uhr mit dem Kloster in Verbindung zu treten zum Chanting und zur Meditation (an diesen Abenden 45 min). 
 
Auf Nachfrage werden die entsprechenden Termine und Links zugesandt. 

 

 

Nächste Termine: 

 

Sonntag, den 08.08.2021 - Neumond

Sonntag, den 22.08.2021 - Vollmond

Montag, den 06.09.2021 - Neumond

Dienstag, den 21.09.2021 - Vollmond

Mittwoch, den 06.10.2021 - Neumond

Mittwoch, den 20.10.2021 - Vollmond

Donnerstag, den 04.11.2021 - Neumond

Freitag, den 19.11.2021 - Vollmond

Samstag, den 4.12.2021 - Neumond

Sonntag, den 19.12.2021 - Vollmond

 

 

 

Das Kloster Shide

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