Den Tatsachen in die Augen blicken...

 

Wo leben tibetisch-buddhistische Nonnen in Deutschland? Es gibt zwei gängige Lebensmodelle: ein Leben im Dharma-Zentrum oder eines in einer privaten Unterkunft. Beide jedoch bieten keine Möglichkeit in monastischer Gemeinschaft zu leben und sich wirklich im Vinaya üben zu können, wie es zu Zeiten des Buddhas üblich war und auch heute noch in Asien gelebt wird.

 

Ein Leben als Nonne in Deutschland ‑ sei es in einem der vielen Dharma-Zentren oder in den eigenen vier Wänden ‑ bedeutet für die Ordinierte, dass sie vielen „weltlichen“ Aktivitäten nachgehen muss, die sie vom Ziel, sich in intensivem Studium und intensiver Praxis dem Dharma zu widmen, abbringen. Es fehlt der Rahmen für eine intensive spirituelle Entwicklung, auf deren Basis der Dharma bewahrt und weitergegeben werden kann. Häufiger kommt es daher zu Frustrationen, Entrobungen oder starker Isolation. Die Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die sich denselben ethischen Regeln verpflichtet haben, ist ein wesentliches Element der Geistesschulung für Ordinierte, aber bisher fehlt dieses Element leider in Deutschland. Zumindest in der tibetisch-buddhistischen Tradition gibt es hier bisher kein einziges Nonnenkloster.

 

Manche Ordinierte entscheiden sich daher, in Klöstern in Indien, Nepal usw. zu leben. Für eine Zeit lang ist dies eine Quelle von Erfahrung und Inspiration, die Möglichkeit für ein intensives Studium und die Chance, den Dharma in seinem kulturellen Kontext zu lernen, eine Dauerlösung ist es oft jedoch nicht. Kulturelle und sprachliche Barrieren, Probleme mit Aufenthaltsgenehmigung, Klima, Ernährung und so fort führen sie meist früher oder später in den Westen zurück.

 

Unser Wunsch, den wir nun in die Tat umsetzen, ist daher ein Nonnenkloster im Westen, damit Ordinierte in ihrer Heimat einen Ort haben, an dem sie ein einfaches Leben nach ethischen Grundsätzen führen und Liebe, Mitgefühl und Weisheit weiter entwickeln können. Hier können sie in monastischer Gemeinschaft den Dharma, insbesondere auch den Vinaya, und Rituale lernen und praktisch anwenden. Damit werden sie zur Inspiration und zum Verdienstfeld für Laien und tragen wesentlich zur Verwurzelung des Dharmas im Westen bei.

Das Kloster Shide

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© Buddhistisches Nonnenkloster Shide e.V.